Wer wohnt eigentlich im „einsamsten Haus der Welt“?
Credit: © TRAVELM.DE - istock karin de mamiel

Wer wohnt eigentlich im „einsamsten Haus der Welt“?

Besuch auf Elliðaey

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9. September 2026

Ein weißes Häuschen auf karg-grüner Insel – was nach Stille und Flucht klingt, entpuppt sich als pulsierender Knotenpunkt des Vogel- und Abenteuertourismus: Auf Elliðaey, einer winzigen Insel im Vestmannaeyjar-Archipel südlich Islands, steht seit 1953 eine Hütte, die heute als das „einsamste Haus der Welt“ Schlagzeilen macht – und Reisende träumen lässt.


Das Wichtigste im Überblick

  • Das „einsamste Haus der Welt“ steht auf der winzigen isländischen Insel Elliðaey im Vestmannaeyjar-Archipel.
  • Keine Promi-Villa: Die 1953 errichtete Hütte wurde ursprünglich als Jagdlodge für Papageientaucher-Jäger gebaut. Geschichten über Björk oder einen Milliardär als Besitzer sind widerlegt.
  • Sehr spartanisch: Die Hütte verfügt weder über Strom noch fließendes Wasser. Eine Sauna mit Regenwassersammelsystem sorgt allerdings für einen ungewöhnlichen Komfort.
  • Wichtiger Lebensraum: Auf Elliðaey befindet sich eine bedeutende Papageientaucher-Kolonie. Wissenschaftler nutzen die Hütte gelegentlich zur Beobachtung der Tiere.
  • Besuch möglich: Tagesausflüge per Boot von Heimaey bringen Reisende in die Nähe der Insel und des berühmten Hauses.


Die Hütte ist keine Promi-Villa, kein geheimer Zufluchtsort eines Milliardärs oder Milliardärin und auch nicht Björks Rückzugsort – all diese Legenden entstammen dem Internet, sind aber längst widerlegt. Tatsächlich hat der Jagdförderverein Elliðaey die Hütte als Jagdlodge für Papageientaucher‑Jägerinnen und Jäger errichten lassen. Sie diente als einfacher Unterschlupf – gebaut aus Materialien, die mühsam per Boot herangebracht und über steile Pfade ans Plateau getragen wurden.


Zwischen Mythos und Wirklichkeit

Die Hütte hat weder Strom noch fließendes Wasser: Besucherinnen und Besucher müssen alles mitbringen, selbst die Vorräte. Eine Sauna mit Regenwassersammelsystem gibt es aber dennoch – ein skurriler Kontrast zur wilden Umgebung. Heute wird die Hütte gelegentlich von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern genutzt, die die wichtige Papageientaucher‑Kolonie beobachten – Elliðaey beherbergt etwa zwei Prozent aller isländischen Papageientaucher und ist damit ein bedeutender Schutzraum.

Für Reisende aus Deutschland, die sich nach ungewöhnlicher Stille sehnen oder einfach die nordische Wildnis auf den Spuren eines Fotomotivs erleben wollen, bietet sich ein überraschendes Reiseabenteuer an: Tagesausflüge per Boot von Heimaey aus bringen Besucherinnen und Besucher fast bis ans Haus, das kraft seiner Isolation und zugleich seiner Geschichte magisch wirkt.

Ein verblüffendes Detail: Obwohl die Insel längst verlassen ist – die letzten permanenten Bewohnerinnen und Bewohner verließen sie in den 1930er Jahren – existieren rund um das Haus Legenden, die ihm mehr Aura verleihen, als die Realität vermuten ließe.

Wer in schroffer Natur sucht und fotografieren will, was in Reisemagazinen wie Travelbook bereits als ikonisch gefeiert wird, erlebt auf Elliðaey weniger Ruhe, als vielmehr den stillen Puls von Geschichte, Jagdtradition und Tierschutz. Die Hütte bleibt zugänglich nur für jene, die eine Bootstour buchen – und denen klar ist: Das „einsamste Haus der Welt“ ist vor allem ein Zeuge menschlicher Sehnsucht nach Einfachheit – mitten in der nordatlantischen Wildnis.