
Diese beiden Nationen sind Europameister im Liegen-Reservieren
51 Prozent glauben ans Klischee
Ein YouGov-Urlauber-Barometer erweist das ewige Vorurteil vom „deutschen Liegenreservierer“ als überholt. In Europa reservieren laut aktueller Umfrage überraschenderweise französische und italienische Reisende am häufigsten Sonnenliegen – und zwar mit einem Handtuch. Das zeigt eine Analyse auf Basis der YouGov-Daten, die in „The Guardian“ vorgestellt wurde. Dabei bestätigten nur 38 Prozent der deutschen Befragten, schon einmal eine Liege mit einem Handtuch „reserviert“ zu haben – im Vergleich zu 45 Prozent bei Italienern und Franzosen. Briten liegen mit 33 Prozent am unteren Ende.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Klischee vom deutschen „Liegenreservierer“ ist offenbar überholt: Laut YouGov reservieren Italiener und Franzosen häufiger Sonnenliegen mit einem Handtuch als Deutsche.
- 38 Prozent der Deutschen gaben an, schon einmal eine Liege per Handtuch reserviert zu haben. Bei Italienern und Franzosen waren es jeweils 45 Prozent, bei Briten nur 33 Prozent.
- Trotzdem hält sich das Vorurteil: 51 Prozent der Deutschen und 46 Prozent der Briten finden, dass das Handtuch-Reservieren typisch deutsch sei.
- Das Verhalten sorgt europaweit für Ärger: 60 bis 82 Prozent halten das Reservieren von Liegen mit Handtüchern für nicht akzeptabel. Gleichzeitig haben viele Urlauber schon einmal keine freie Liege gefunden.
- Hotels reagieren zunehmend mit klaren Regeln, etwa Zeitlimits für Reservierungen oder dem Entfernen unbeaufsichtigter Handtücher, um Streit um die begehrten Poolplätze zu vermeiden.
Obwohl dieses Verhalten keineswegs vorwiegend den Deutschen zugeschrieben wird, hält sich der entsprechende Stereotyp hartnäckig. In Deutschland selbst betrachteten 51 Prozent der Befragten das Klischee als zutreffend, in Großbritannien sagten dies 46 Prozent. In den übrigen europäischen Ländern wurde die Zuschreibung kaum genannt – lediglich zwischen fünf und siebzehn Prozent der Befragten assoziierten das Handtuch-Reservieren mit Deutschen.
Mit Blick auf Akzeptanz und Alltagsärger zeigt die Umfrage ein geteiltes Bild: Je nach Land betrachten 60 bis 82 Prozent das Reservieren mit Handtüchern als inakzeptabel. Trotz dieser deutlichen Missbilligung haben zwischen 51 und 63 Prozent aller Urlauberinnen und Urlauber berichtet, schon einmal keine freie Liege gefunden zu haben, weil sie alle belegt waren. Außerdem gaben 14 bis 28 Prozent an, schon einmal ein fremdes Handtuch entfernt zu haben, um sich selbst einen Platz zu sichern.
Zwischen Stereotyp und Realität: Reisender Blick über den Tellerrand
Was verbindet Strand- und Hotelgäste in Italien, Frankreich und Deutschland? Allen ist gemeinsam, dass das Sichern eines Liegeplatzes mit einem Handtuch vielerorts nicht nur Alltag, sondern Ausdruck eines unausgesprochenen Kampfes um entspannten Ferienkomfort ist. Ob am Pool eines Familienresorts in Sardinien oder an einem schattigen Clubstrand an der Côte d’Azur – frühmorgendliches „Towel-Foto“ ist zur Routine geworden.
Für deutsche Urlaubende im europäischen Vergleich löst dieser Befund ein paradoxes Gefühl aus. Einerseits rückt das Klischee vom Liegenreservierer bewusst oder unbewusst ins Rampenlicht. Andererseits zeigt die eigene Praxis weniger Reservierungsneigung als etwa die in Italien oder Frankreich. Gerade deutschsprachige Reisedesigner und Hotels könnten von dieser Erkenntnis profitieren – indem sie frühzeitige klare Regeln kommunizieren oder flexible Liegenvergabesysteme einsetzen, um Konflikte zu entschärfen.
Für LGBTIQ+ Reisende spielt diese Entwicklung in der Regel keine spezifische Rolle – der Umfragezusammenhang ist geschlechts‑ oder orientierungsneutral. Dennoch kann ein transparenter Umgang mit Liegenrechten gerade in inklusiven Resorts zu mehr Entspannung und Fairness beitragen.
Der nächste Schritt zeigt sich bereits in der Praxis vieler Hotels: Eine zunehmende Zahl von Betrieben führt Regelungen ein, welche das Reservieren durch Handtücher zeitlich beschränken – etwa keine Platzzuweisung vor 9 Uhr oder automatische Entfernung unbenutzter Handtücher nach 30 Minuten. Ob diese Maßnahmen zur neuen europäischen Reiseetikette werden, bleibt absehbar – in Hotelanlagen und an Stränden dürfte der Liegenreigen morgen dennoch weitergehen.

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