Mehrheit der LGBTIQ+-Reisenden bleibt im Urlaub verborgen
Credit: © TRAVELM.DE - umfrage mehrheit der lgbtiq re

Mehrheit der LGBTIQ+-Reisenden bleibt im Urlaub verborgen

Sicherheit statt Sichtbarkeit

kk
kk
11. Juni 2026

Laut des aktuellen „Travel Proud Research Report“ verschweigt eine überwältigende Mehrheit der LGBTIQ+‑Reisenden ihre sexuelle oder geschlechtliche Identität im Urlaub – ein deutlicher Hinweis darauf, wie sehr viele Reisende für Sicherheit auf Authentizität verzichten. Diese Erkenntnisse werfen neue Perspektiven auf inklusive Reisegestaltung und das wachsende Bedürfnis nach vertrauter Sicherheit am fremden Ort.


Das Wichtigste im Überblick


  • Nur 31 Prozent der LGBTIQ+‑Reisenden weltweit verschweigen beim Reisen nicht ihre ihre sexuelle oder geschlechtliche Identität.
  • 40 Prozent wären bereit, ihre Identität zu verbergen, um ein Traumziel zu besuchen.
  • Unter den Reisenden, die nicht „out“ sind, fühlen sich 53 Prozent nicht ängstlich beim Reisen – deutlich mehr als der globale Durchschnitt von 30 Prozent.


Das Dilemma der „Closet‑cationers“


Nur etwa ein Drittel der LGBTIQ+‑Reisenden fühlt sich frei, ihre Identität offen zu leben, wenn sie unterwegs sind — ein paradoxes Bild moderner Freiheit: Reisen als Quelle von Erholung und gleichzeitig Rückzug in den inoffiziellen Schutzmantel. Gleichzeitig zeigt sich, dass jene, die ihre Identität verbergen, weniger negative Erfahrungen melden — nur 34 Prozent berichten von diskriminierenden Vorfällen, verglichen mit 62 Prozent weltweit und sogar 73 Prozent unter trans* Reisenden.

Diese Form der Selbstzurückhaltung wirkt wie ein Sicherheitsnetz in unsicheren Umgebungen. Die Aussagen sind evidenzbasiert und belegen: Unsichtbarkeit kann kurzfristig schützen, obwohl sie langfristig Authentizität einschränkt.


Vorsicht per Technologie und Routineverstärkung


Fast die Hälfte der LGBTIQ+‑Reisenden (44 Prozent) gibt an, heute mehr Vorsichtsmaßnahmen zu treffen als früher. Dazu zählen:

  • Live-Standort teilen (25 Prozent),
  • Dating-Apps vor Grenzübertritt löschen (16 Prozent),
  • VPN-Nutzung (19 Prozent) und
  • sekundäre Handys mitführen (18 Prozent). Auch 48 Prozent prüfen ihre Umgebung bewusst, bevor sie Zuneigung öffentlich zeigen.

Trans* Reisende erleben darüber hinaus eine größere Belastung: 43 Prozent berichten von zunehmender Angst, insbesondere im Zusammenhang mit der Nutzung geschlechtsspezifischer Einrichtungen wie Toiletten oder Umkleiden (24 Prozent).


Positive Erfahrungen trotz allem

Ermutigend ist: 82 Prozent der LGBTIQ+‑Reisenden berichten von mindestens einer positiven, identitätsbezogenen Erfahrung im letzten Jahr – etwa, dass Hotelpersonal korrekte Pronomen verwendet (34 Prozent), Pride-Flaggen zu sehen sind (32 Prozent), genderneutrale Badezimmer (32 Prozent) oder LGBTIQ+‑Mitarbeitende (32 Prozent) in Unterkünften präsent sind.

Die Reisebranche reagiert: Booking.com bietet zum Beispiel ein Reise-​Filterprogramm „Travel Proud“ mit LGBTIQ+‑freundlichen Unterkünften – mehr als 142 000 Objekte in über 20 000 Städten wurden entsprechend zertifiziert.


Der Einsatz digitaler Tools als doppeltes Schwert


Zwei Drittel der LGBTIQ+‑Reisenden (66 Prozent) nutzten KI zur Reiseplanung. Unter ihnen vertrauen 43 Prozent auf objektive, urteilsfreie Beratung und 39 Prozent sehen KI als Helfer bei der Suche nach schwer auffindbaren LGBTIQ+‑freundlichen Orten. 37 Prozent fühlen sich sicherer, sensible Fragen der Szene an KI statt an Menschen zu stellen. 30 Prozent wünschen sich eine LGBTIQ+‑Filteroption beim Online-Buchen.


Hintergrund: Umfang und Methode


Die Studie basiert auf Antworten von rund 13 300 LGBTIQ+‑Reisenden aus 19 Ländern in allen Kontinenten. Die Befragung erfolgte zwischen Februar und März 2026, und Teilnehmerinnen sowie Teilnehmer mussten mindestens 18 Jahre alt sein sowie in den vergangenen zwölf Monaten eine Reise mit Übernachtung selbst geplant oder mit beeinflusst haben.


Ausblick: Authentizität versus Sicherheit weiter im Balanceakt


Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild: Viele LGBTIQ+‑Reisende sind bereit, ihre Identität zu verstecken, um sicher zu reisen. Digitale Tools und zertifizierte Unterkunftsangebote bieten Teil-Lösungen, doch Authentizität und Sicherheit stehen weiter oft im kritischen Spannungsfeld.

Die Branche steht damit vor der Aufgabe, inklusive und sichtbare Räume zu schaffen, die Reisenden erlauben, ganz sie selbst zu sein – ohne Kompromisse.