
Deutschland hat schon wieder den schlechtesten Bahnhof Europas
62,9 Prozent der Züge verspätet
Der Bremer Hauptbahnhof ist laut dem aktuellen European Railway Station Index 2026 der schlechteste Bahnhof Europas. Das US amerikanische Consumer Choice Center hat dabei 60 der meistgenutzten Bahnstationen des Kontinents bewertet und Bremen landet mit nur 47 von möglichen 118 Punkten auf dem letzten Platz. Dies verdeutlicht erneut die gravierenden Qualitätsunterschiede im europäischen Bahnverkehr, zumal auch zahlreiche andere deutsche Bahnhöfe auf den hinteren Rängen zu finden sind.
Das Wichtigste im Überblick
- Der Bremer Hauptbahnhof erhielt im European Railway Station Index 2026 die wenigsten Punkte.
- 62,9 Prozent der Züge in Bremen waren verspätet, mit einer durchschnittlichen Wartezeit von 20,7 Minuten.
- Die Bewertung berücksichtigt Faktoren wie Serviceangebot, Barrierefreiheit und Netzabdeckung.
- Zahlreiche deutsche Bahnhöfe finden sich unter den zehn schlechtesten Stationen Europas.
- Den ersten Platz belegt erneut der Zürcher Hauptbahnhof.
Europäisches Ranking mit deutlicher Kluft
Wer am Bremer Hauptbahnhof ankommt oder abreist, erlebt das, was die Daten bestätigen: Verspätungen prägen den Alltag, das Angebot für Reisende ist begrenzt, der Zugang zu komfortablen Aufenthaltsbereichen oder gastronomischen Optionen bleibt eingeschränkt. Das Consumer Choice Center spricht explizit von „limited amenities“ und einer schwachen operativen Leistung. Nur 47 Punkte von 118 möglichen zeigen, wie weit der Bremer Bahnhof von den modernen Standards vieler europäischer Bahnknoten entfernt ist. Auch Berlin Gesundbrunnen, Essen Hauptbahnhof und Stuttgart Hauptbahnhof rangieren laut Index am Ende der Liste.
Ursachen und Dimensionen eines deutschen Problems
Die Liste macht ein strukturelles Problem sichtbar: Von 60 untersuchten Bahnhöfen liegen 15 in Deutschland. Laut den Autorinnen und Autoren des Index zählen chronische Infrastrukturprobleme, Engpässe im Schienennetz sowie langwierige Bauarbeiten zu den zentralen Ursachen für das schlechte Abschneiden. Die Deutsche Bahn verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 im Fernverkehr nur eine Pünktlichkeitsquote von 58,7 Prozent. Moderne Fahrgastservices, flächendeckendes WLAN oder durchgängig barrierefreie Zugänge bleiben in vielen deutschen Bahnhöfen häufig Mangelware.
Die Schweiz als europäischer Spitzenreiter
Ganz anders präsentiert sich die Situation in der Schweiz. Der Zürcher Hauptbahnhof führt mit 101 Punkten die Rangliste an. Reisende können sich dort auf eine durchschnittliche Wartezeit von nur 1,2 Minuten verlassen und profitieren von hoher Zuverlässigkeit, guter Infrastruktur sowie umfassenden Serviceangeboten. Auch Bern behauptet sich in den Top fünf. Dieses Bild spiegelt sich in der schweizweiten Pünktlichkeitsquote wider, die im ersten Halbjahr 2026 bei 94,1 Prozent lag.
Was Reisende jetzt konkret wissen müssen
Für Reisende in Deutschland bedeutet das Ergebnis: Gerade an den Endplätzen wie Bremen ist mit längeren Wartezeiten und eingeschränktem Service zu rechnen. Wer Wert auf Zuverlässigkeit legt, sollte über Alternativen nachdenken oder Flexibilität bei der Reiseplanung einplanen. Das Consumer Choice Center weist ausdrücklich darauf hin, dass sich ihr Index auf verfügbare Daten und standardisierte Bewertungskriterien stützt. Die Bahnunternehmen haben angekündigt, die fortbestehenden Schwächen gezielt zu adressieren. In Bremen sieht der Fahrgastverband Pro Bahn ersten Diskussionsbedarf mit der Deutschen Bahn sowie der Stadt über konkret geplante Verbesserungen am Standort.

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