
Ferienunterkünfte bieten vielfältigen Raum für LGBTIQ+-Reiseerlebnisse
Queere Urlauberinnen und Urlauber bevorzugen private Zimmer
Beim ersten Erwachen in einer privaten Hütte in den Bergen fühlt sich das Leben entschleunigt an: Während die ersten Sonnenstrahlen über grüne Hügel tanzen, wartet keine Rezeption, niemand drängt zum Frühstücksbuffet – stattdessen Stille, Natur und volle Privatsphäre. Willkommen im Zeitalter der Ferienunterkünfte, das klassische Reisemuster auf den Kopf stellt.
Die neue Freiheit des Reisens
Ferienwohnungen und Ferienhäuser sind längst keine Geheimtipps mehr. Seit auf internationalen Plattformen wie Airbnb und Vrbo Millionen von Unterkünften gelistet sind, wählen immer mehr Reisende den Weg abseits von Hotellobbys. Vor allem die Generation der Millennials, stets auf der Suche nach authentischen Erlebnissen zu fairen Preisen, hat maßgeblich diesen Trend geprägt. Gerade weil sie als „sparsamste Generation“ gilt, ist ihre Begeisterung für großzügige, oft günstiger buchbare Domizile mit Küche, Wohnzimmer und kostenlosem WLAN nachvollziehbar – und diese Begeisterung zieht Kreise weit über ihre Altersgruppe hinaus.
Doch es sind nicht nur die jüngeren Urlauber, die diese Wohnform für sich entdeckt haben: Familien, Digitalnomaden, Geschäftsreisende und Komfortsuchende sowie queere Urlauberinnen und Urlauber schätzen allesamt die Flexibilität, mehr Raum und nicht zuletzt das Gefühl, ein Stück Alltag an einem anderen Ort leben zu können. Viele Plattformen führen mittlerweile auch exklusive Angebote im Luxussegment, sodass vom rustikalen Cottage bis hin zur spektakulären Designer-Villa alles möglich ist.
Branchenwandel und Boomjahre
Der große Boom begann in den 2010er-Jahren, doch das eigentliche Erdbeben kam 2020. Die globale Pandemie hat unser Reiseverhalten grundlegend verändert. Hotelkorridore mit vielen Gästen, enges Aufeinandertreffen am Frühstückstisch: All das wollten viele Menschen vermeiden. Stattdessen boten unabhängige Ferienunterkünfte Abstand, viel Platz im Grünen und oftmals einen eigenen Garten, Balkon oder sogar privaten Pool. Das erhöhte die Nachfrage nach dem individuellen Rückzugsort rasant. Branchenanalysen zufolge lag das weltweite Marktvolumen von Ferienwohnungen 2019 bei rund 87 Milliarden US-Dollar – und soll bis 2027 auf schätzungsweise 113 Milliarden ansteigen. Große Hotelkonzerne wie Marriott sind längst eingestiegen. Mit der Einführung von „Homes & Villas by Marriott International“ eröffnete sich auch Treuepunktesammlern eine völlig neue Welt abseits der bekannten Hotelflure.
Ein weiterer Trend stützt den Boom zusätzlich: Das Arbeiten aus der Ferne („Remote Work“) und das Verschmelzen von Geschäfts- mit Urlaubsreisen – internationales Fachjargon nennt das „Bleisure“. Wer Arbeit und private Auszeit verbinden möchte, findet in einer ruhigen Wohnung mit schnellem Internet und guter Kaffeemaschine den idealen Mittelweg.
Stimmen aus dem Markt
„Die Menschen suchen nach Unterkünften, in denen sie sich mit Familie oder Freunden zurückziehen und gleichzeitig Berufliches und Privates flexibel kombinieren können. Wir beobachten einen anhaltend hohen Bedarf an einzigartigen, privaten Wohnlösungen quer durch alle Altersgruppen,“ so Jennifer Hsieh, Vice President von Homes & Villas by Marriott International, in einem aktuellen Interview.
Auch Reiseexpertinnen und Reiseexperten bestätigen: Die Attraktivität von Ferienunterkünften bleibt ungebrochen hoch, gerade weil viele Urlauber nach Jahren des Verzichts mehr Wert auf Individualität und Wohlbefinden legen. Laut einer Studie der European Holiday Home Association gaben 2023 rund 62 Prozent der Reisenden an, die Flexibilität und Unabhängigkeit von Ferienwohnungen den klassischen Serviceangeboten von Hotels vorzuziehen.
Zukunft mit Vielfalt und Herausforderung
Der stetige Anstieg an verfügbaren Objekten birgt aber auch Herausforderungen: In einigen beliebten Regionen sorgen die neuen Vermietungsmodelle für Wohnungsknappheit und steigende Mieten für Einheimische, was Debatten und teilweise strengere gesetzliche Regelungen nach sich zieht. Einige Städte in Europa beschränken deshalb die Zahl der genehmigten Ferienwohnungen, um die Balance zwischen Tourismus und Wohnraum für Einheimische zu sichern.
Langfristig stehen Vielfalt und Qualität im Vordergrund. Anbieterinnen und Anbieter investieren zunehmend in Nachhaltigkeit, etwa durch energiesparende Bauweise oder lokale Kooperationen. Digitale Plattformen streben zudem an, Buchungen noch transparenter und sicherer zu machen. Die Flexibilität, die Ferienunterkünfte bieten, wird jedoch den Zeitgeist auch künftig prägen – sei es im Strandhaus, im Baumhaus im Wald oder im City-Penthouse.
Wer als Reisende oder Reisender auf der Suche nach einer Unterkunft ist, sollte nicht nur Preis und Lage, sondern auch Bewertungen, Ausstattung und die lokalen Gegebenheiten gründlich prüfen. Die Wahl der passenden Ferienwohnung bleibt auch eine Einladung, das Reiseland in all seiner Vielfalt zu erleben.
Weiterführende Informationen: Wer sich weiter informieren möchte, findet fundierte Hinweise etwa bei der European Holiday Home Association, Offiziellen Tourismusverbänden sowie Verbraucherzentralen und Reisebranchenreports.

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