Last-Chance-Tourismus steigert nachhaltiges Klima-Bewusstsein kaum
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Last-Chance-Tourismus steigert nachhaltiges Klima-Bewusstsein kaum

Bedrohte Orte noch bedrohter

kk
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26. Juni 2026

Sie reisen auf immer mehr schmelzende Gletscher, gefährdete Korallenriffe oder flache Inseln, solange sie noch existieren – doch diese Liebe und Sehnsucht für bedrohte Orte auf der Welt trägt paradoxerweise selbst zu deren Zerstörung bei. Dieser Mechanismus, bekannt unter dem Begriff Last‑Chance‑Tourismus, rückt schmelzende Gletscher in Frankreich, die Malediven, Korallenriffe und Alpengletscher ins Rampenlicht – und zeigt, wie sich Urlaubswünsche und Klimaschutz in einem Spannungsfeld begegnen.



Das Wichtigste im Überblick


  • Eine systematische Literaturübersicht analysierte 25 Fachartikel und stellt fest: Reisen zu Last‑Chance‑Zielen steigern das Bewusstsein für den Klimawandel zwar, führen aber selten zu nachhaltigem Verhalten danach.
  • In der Arktis stieg die Zahl der Touristinnen und Touristen in Pond Inlet auf fast das Doppelte der lokalen Einwohnerzahl, transportiert überwiegend per Kreuzfahrtschiffen.
  • Eine neue globale Kartierung zeigt, dass viele Studien sich auf Gletscherregionen konzentrieren, während Ziele im Globalen Süden und kulturell bedrohte Orte bislang unterrepräsentiert sind.


Wenn das Erlebnis zur Last wird


Der Reiseanreiz, bedrohte Orte zu bereisen, krempelt das nachhaltige Bewusstsein um – viele Reisende verlassen den Ort mit tiefer Betroffenheit, ohne jedoch ihr Verhalten langfristig zu ändern. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kritisieren, dass der Wunsch, bedrohte Landschaften zu sehen, selbst zur steigenden Emission und Belastung gerade dieser Orte beiträgt. Heiße Beispiele sind schmelzende Gletscher in Frankreich, wo Besucherinnen und Besucher nach dem Anblick proaktive Klimaschritte versprechen – aber oft nicht umsetzen.



Forschung erweitert Blickwinkel


Jüngste Forschungen haben das Thema erweitert: Während lange vor allem arktische und alpine Regionen im Fokus standen, zeigt eine aktuelle Übersicht, dass auch kulturelle Orte und Landschaften im Globalen Süden bedeutend sind, aber wenig untersucht bleiben. Ethik, Vermarktung und Umweltfolgen müssen daher künftig stärker in Verbindung gebracht werden.



Lokale Anwohnerinnen und Anwohner bleiben außen vor

Eine Studie aus dem Jahr 2025 in Utqiaġvik, Alaska, zeigt: Die Annahme, Last‑Chance‑Tourismus sei Hauptmotiv für Besucherinnen und Besucher, entspricht nicht der Realität. Viele motivieren eher Neugier, Erfahrung oder kulturelles Interesse – während die Bevölkerung ganz andere Gründe vermutet.


Grenzen der Forschung – und Ausblick


Die neueste Literaturübersicht betont, dass bisherige Studien wenig mit verhaltenswirksamen Maßnahmen verbinden – es fehlt an experimentellen Ansätzen und Fokus auf lokale Perspektiven. Künftig braucht es interdisziplinäre Forschung, nachhaltigere Konzepte für Destinationen und klare Strategien, wie Reisen stärkere Klimaaktionen auslösen können.

Die Forschung nährt einen Wandel im Denken: Last‑Chance‑Tourismus bleibt ein Spiegel unserer Zeit – ein Versuch, das Verschwinden zu dokumentieren, ehe es unwiderruflich ist. Gleichzeitig zeigt er, wie wichtig es ist, daraus keine Dokumentation des Verlusts, sondern Ausgangspunkt für echten Schutz zu machen.