
Route 66 macht queere Reisegeschichte sichtbar
Zum hundertjährigen Jubiläum
Im Sommer 2026 feiert Route 66 ihr hundertjähriges Jubiläum – und entlang der legendären „Mother Road“ öffnen sich überraschend queere Kapitel amerikanischer Reisegeschichte. Besonders im mittleren Westen, etwa in Illinois und Missouri, zeigen Tourismusinitiativen und lokale Archive, wie LGBTIQ+-Reisende einst Wege zueinander fanden – und wie heute ihre Spuren am Wegesrand sichtbar werden.
Das Wichtigste im Überblick
- Route 66 feiert 2026 sein 100-jähriges Jubiläum, in Illinois begleiten ganzjährige Veranstaltungen den Meilenstein.
- In Illinois verzeichnet man derzeit etwa 40 Millionen Reisende pro Jahr entlang der Strecke.
- Historische LGBTIQ+-Reiseführer wie Bob Damron’s Address Book ermöglichten von 1965 an queeren Reisenden, Übernachtungs- und Treffpunkte entlang der Strecke zu entdecken.
Route 66 und queere Reisespuren
Die aktuellen Feierlichkeiten zur Route‑66‑Zentennial in Illinois führen Reisende von Chicago bis Springfield und darüber hinaus – mit Oldtimer-Paraden, Festivals in Joliet und Bloomington, Trolley-Touren entlang historischer Stadtteile und neuen Wegweisern in Chicago. Gleichzeitig eröffnen sich mehrere Orte entlang der Route als stille Zeugen queerer Mobilität. Die LGBTIQ+-Archive in St. Louis (Gateway to Pride) und Chicago (Gerber/Hart) bewahren private Briefe, 1950er‑Polizeiberichte sowie alte Reiseführer – Spuren eines unsichtbaren Verkehrssystems quer durch die Gesellschaft.
Archivfunde erzählen Geschichte
Ein Polizeibericht aus St. Louis vom 27. August 1954 dokumentierte die Verhaftung eines 28‑jährigen Versandangestellten aus Edwardsville, die Fahrt dorthin erfolgte höchstwahrscheinlich via Route 66. In Chicago gründete 1924 Henry Gerber die Society for Human Rights – eine der ersten US‑Organisationen für Homosexuelle; und 1962 wurde Illinois zum ersten US‑Bundesstaat, der Sodomie entkriminalisierte – womöglich ein Grund, dass queere Menschen über Route 66 in die Metropole zogen.
Damron’s Address Book: ein queerer Reiseführer
Bereits seit 1965 ermöglichte Bob Damron’s Address Book queer reisenden Menschen, zielgerichtet Bars, Hotels und Treffpunkte in Nordamerika zu finden – ein Analogon zu heutigen Onlineplattformen. Diese handverteilten Listen waren Überlebensratgeber für Menschen, die im Reisestrom unterwegs waren und sonst auf Unsichtbarkeit gesetzt hätten – besonders auf einer so assoziationsreichen Route wie der Route 66.
Nächstes Kapitel an der Mother Road
Das Jubiläumsjahr lädt dazu ein, Route 66 nicht nur nostalgisch zu betrachten, sondern als lebendige Landkarte queerer Geschichte. Initiativen wie historische Ausstellungen, archivpädagogische Angebote oder thematische Trolley‑Touren könnten LGBTIQ+-Spuren entlang des Highway stärker erlebbar machen. Denn hundert Jahre auf der Road eröffnen nicht nur nostalgische Rückblicke – sie rücken vergessene Geschichten ans Licht.

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