
Italiens unbekannte Adria Küste ist rau, aber authentisch
Via Verde eröffnet an Abruzzens Costa dei Trabocchi
Zwischen Pescara und Vasto erlebt ein Stück italienischer Adriaküste derzeit einen nachhaltigen Wandel: Die Costa dei Trabocchi wird systematisch für den sanften Tourismus erschlossen. Auf der einst verfallenen Bahntrasse entstand mit der neuen Via Verde eine spektakuläre Fahrradroute am Meer, die Reisende mitten durch historische Fischerdörfer und zu beinahe vergessenen Stegen führt. Damit rückt ein Küstenabschnitt ins Licht, der bisher vom Massentourismus verschont geblieben ist.
Das Wichtigste im Überblick
- Die Via Verde verbindet erstmals alle Hauptsehenswürdigkeiten der Costa dei Trabocchi auf 42 Kilometern autofrei.
- Zahlreiche traditionelle Fischerstege, die historischen Trabocchi, wurden restauriert und beherbergen heute Restaurants mit regionaler Küche.
- Die Provinz Chieti setzt auf ein nachhaltiges Tourismuskonzept mit strengen Umweltauflagen für Neuansiedlungen und Gastronomie.
- Punta Aderci und weitere Naturstrände erhalten verstärkten Schutzstatus und sind frei von Liegestuhlreihen.
- Die Region investiert in barrierefreie Zugänge und Radservices entlang der Strecke.
Neue Via Verde revolutioniert sanften Küstentourismus
Der entscheidende Schritt erfolgte im Frühjahr 2024, als die frisch asphaltierte Via Verde offiziell eröffnet wurde. Nach Angaben des Tourismusministeriums der Region Abruzzen entstand entlang der stillgelegten Eisenbahnlinie ein autofreier Radweg, der sich über 42 Kilometer durch das Herz der Costa dei Trabocchi erstreckt. Das Projekt, das von der Provinz Chieti gemeinsam mit der italienischen Bahn umgesetzt wurde, verbindet erstmals alle Hauptorte und Strandabschnitte. Die Strecke führt an Trabocchi-Stegen, Kiesstränden und unberührten Buchten vorbei. Zusätzlich erhalten Radfahrende und Spaziergänger Zugang zu neuen Rastplätzen, Cafés und Fahrradstationen, die ganzjährig geöffnet sind.
Historische Fischerstege werden zu Gourmetzielen
Für Genießerinnen und Genießer eröffnet sich eine ganz neue Perspektive auf Italiens Ostküste. Die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichenden Fischerstege, die Trabocchi, wurden in den letzten Monaten umfangreich saniert und dienen nun als Plattformen für Meeresfrüchte-Restaurants. Laut Auskunft der Gemeinde San Vito Chietino konnten dadurch mehrere Familienbetriebe erhalten und sogar neue Jobs geschaffen werden. Auf den engen Holzplanken schwebt man Meter über dem Wasser, während unter sich das kristallklare Adriawasser glitzert. Reservierungen für Tische in den Trabocchi sind mittlerweile hoch gefragt. Regionale Küche mit Fisch, Olivenöl und frischen Kräutern ist das Markenzeichen der neuen Gastroszene.
Schützenswerte Natur und klare Standards
Nicht nur Genuss, sondern auch Naturschutz steht im Mittelpunkt. Große Strandabschnitte wie Punta Aderci oder Mottagrossa genießen seit April 2024 laut Regionalverwaltung einen offiziellen Schutzstatus. Der Verkauf und Aufbau von kommerziellen Liegestuhlreihen sowie der motorisierte Zugang sind dort nun untersagt. In den Buchten können Reisende das Wasser genießen, ohne laute Musik oder dichte Menschenmengen. Die „Blaue Flagge“ markiert ausgewählte Badeabschnitte mit nachweislich hoher Wasserqualität.
Das nächste konkrete Vorhaben ist der Ausbau weiterer barrierefreier Zugänge und Servicestationen entlang der Via Verde. Damit positioniert sich die Costa dei Trabocchi als seltenes Vorbild für nachhaltigen Genuss und naturnahe Entdeckungsreisen direkt am Rand der Adria.

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